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Wein und Services aus Erfurt

22.06.2020

Berger Contract Logistics ist ein ziemlich junges Unternehmen. 2016 ursprünglich mal als „Wein und Service Logistik“ (WSL) mit zwei in Plochingen und Kirchheim beheimateten Geschäftsführern gestartet, hat sich das Unternehmen durch Umfirmierung in Berger Contract Logistics (BCL) und vor allem durch den 2018 vollendeten Neubau des neuen Standorts in Erfurt aussichtsreich neu positioniert.

Zu den Gesellschaftern gehören heute die Mack & Schühle AG und Berger Logistik. „Die Entscheidung für den Standort Erfurt ist nach einer intensiven Warenstromanalyse durch Mack & Schühle gefallen, hierbei wurde sowohl die Beschaffungslogistik als auch die Distributionslogistik durchleuchtet“, erklärt Johanna Neumeister, zuständig für die Unternehmenskommunikation bei Mack & Schühle. „Erfurt liegt nicht nur in der Mitte Deutschlands und Europas, auch unsere Analysen haben diesen Punkt ergeben“.

Das Logistikunternehmen, das seinen Markenkern ursprünglich vom Logistikunternehmer Johann Berger, dem Vater von Gerhard Berger, verpasst bekam, etabliert sich momentan immer stärker in einem Bereich, der sich in der Corona-Krise als überlebenswichtig entpuppt: Lebensmittel- und Getränkelogistik.


„Wenn Sie in der Corona-Zeit beim Einkaufen genügend Lebensmittel in den Supermärkten vorfinden, dann haben wir und unsere Mitbewerber einen guten Job gemacht“, unterstreicht Carl Azinger, der seit Dezember 2019 als Geschäftsführer von Berger Contract Logistics in Erfurt an Bord ist. Um die Waren in die Regale zu bekommen, sei in der Krise aber ein noch deutlich höherer Aufwand (+60% Arbeitszeit) als sonst erforderlich. Die größten Schwierigkeiten, erläutert Azinger, gab es zu Beginn des Lockdowns. „Vor einigen Wochen wurden einige LKW-Fahrer behandelt, als würden sie selbst den Tod durch das Virus mitbringen.“ Inzwischen habe sich die Situation etwas beruhigt, die LKW-Fahrer würden seit Ostern mit viel mehr Verständnis beim Passieren der Staatsgrenzen und mit mehr Respekt an den Rampen der Lebensmittelhändler behandelt.


Geholfen habe auch, dass das österreichische Partnerunternehmen Berger Logistik (bei dem Azinger momentan parallel zu seiner Mission als Geschäftsführer bei BCL als Head of Air & Ocean fungiert) einer der größten Player beim Intermodal-Verkehr in Österreich ist. Gerade in den kritischen Momenten habe sich diese Kombination bewährt. Es sei ein bisschen schade, wenn diese besonders nachhaltige Form des Transports nach der Krise nicht weiter geordert würde, bedauern Carl Azinger und dessen rechte Hand in Erfurt, Prokurist Juraj Pajcic. Denn Nachhaltigkeit ist ein Pfeiler, mit dem sich BCL auch im Wettbewerbsfeld profilieren will. „Das Hauptziel war, auf höchstem und modernstem logistischen Lagerstandard nachhaltig agieren zu können und die Versorgung unserer Kunden zu sichern, also eine stabile Supply Chain zu gewährleisten“, erklärt Johanna Neumeister. Langfristig sei geplant, vermehrt als Dienstleister für andere Getränkedistributoren tätig werden zu können.


Der in einem ersten Ausbauschritt rund 45.000 Palettenstellplätze umfassende, verkehrsgünstig in der Mitte Deutschlands angesiedelte BCL-Neubau wurde nach den Richtlinien des DGNB Gold Standard realisiert. Das System der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) fußt auf den drei zentralen Nachhaltigkeitsbereichen Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles und umfasst laut Statuten (abweichend von anderen Zertifizierungsrichtlinien) die Kriterien Lebenszyklusbetrachtung, Ganzheitlichkeit sowie eine Performance-Orientierung. Die österreichische Muttergesellschaft Berger Logistik hat bereits Nachhaltigkeitspreise wie den „Hermes-Verkehrs-Logistik“-Preis (2016) für das Mobilitätskonzept für Mitarbeiter und für die nutzlastoptimierte Fahrzeugflotte erhalten. „Wir können auf unseren nutzlastoptimierten Ecotrailern 2 t mehr transportieren als andere Anbieter, weil wir konstruktionsbedingt das Eigengewicht unserer Trailer deutlich verbessern konnten“, erklärt Carl Azinger. Selbst wenn ladungsbedingt vor allem der Platz und nicht das Gewicht der entscheidende Faktor sei, fahre Berger als Marktführer bei den nutzlastoptimierten Flotten spritsparender als die Konkurrenz, ergänzt Pajcic (BCL). „Wir mindern damit nicht nur die Anzahl der notwendigen Transporte, sondern auch den Treibstoffverbrauch und die Treibhausgasemissionen.“


Das Lager, das auch Bio- und IFS zertifiziert worden ist, wurde von Beginn an als Weinlager konzipiert und ist deshalb laut BCL auch entsprechend passiv temperiert. Zu den Nutzern der ersten Stunde gehörten Mack & Schühle und Bionisys mit ihren kompletten Sortimenten. Ein weiterer Pfeiler des Konzepts, so betonen Azinger und Pajcic, fußt auf „Mehr-Wert-Diensten“, dessen Erbringung „vernünftige Beleuchtung der Aufbauflächen“ im Lager voraussetzt: BCL beschäftigt dafür eine eingespielte eigene Mannschaft, die Qualitätskontrollen durchführt und den Aufbau sowie die Bestückung von Displays und Aufstellern für Sonderplatzierungen ermöglicht. „Wenn neue Etiketten, Preisauszeichnungen, Neckhanger oder Giveaways angebracht werden sollen, dann kriegen wir das hin.“ Pajcic fügt hinzu: „Bei den großen Abständen im Supermarkt sehen viele Kunden momentan deutlicher, wie viele Sonderplatzierungen und Aktionsaufbauten von Markenherstellern es mittlerweile gibt - selbst Discounter wie Lidl haben inzwischen Platz für Chep-Displays.“


Zu den Value Added Services des Unternehmens zählen Azinger und Pajcic auch Sortier- und Umpackarbeiten, das Neutralisieren und Erstellen kundenspezifischer Packstücke und Dokumente, den Einkauf und die Disposition von Packmitteln sowie die Zoll- und Verbrauchssteuerabwicklung. Um die vorhandenen Kapazitäten noch besser zu nutzen, hat die BCL kürzlich auch noch in eine neue Software investiert und arbeitet dabei mit dem Warehouse-IT-Spezialisten Inconso (Bad Nauheim) zusammen. „Unser bisheriges System nutzen wir weiter als Transport-Management-System, aber die Komplexität nimmt durch die neuen Dienstleistungen noch einmal deutlich zu, und wir wollen uns damit rechtzeitig fürs Wachstum rüsten.“


Im ersten Jahr des Bestehens ging es vor allem um „operative Exzellenz“, jetzt gebe das Unternehmen bei der Akquise von Neukunden Gas, erklärt Azinger. Im November 2019 hat sich Berger Logistik in Willich und in Hamburg durch Akquisition verstärkt und das Unternehmen PL Cargo integriert. So können auch Luft- und Seefrachttransporte ergänzend zu den Straßentransporten angeboten werden.

Langeweile will anscheinend partout nicht aufkommen: Carl Azinger und sein Team haben kürzlich wieder einen großen Kundenkontrakt eines großen Getränke-Markenartiklers gewinnen können. Sie müssen im Erfurter Lager nun Platz für 15.000 zusätzliche Palettenstellplätze schaffen. Das Lager ist jetzt bereits zu zwei Dritteln ausgelastet, hat baulich aber sogar noch Ausbaureserven. „Wir könnten das Lager spiegelbildlich noch einmal daneben setzen“, sagt Azinger. Die Pläne dazu lägen sogar griffbereit in der Schublade. Berger Contract Logistics sucht daher selbst in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg gerade noch dringend zusätzliche Mitarbeiter.